5 Gründe, warum der Crash noch lange dauern wird

Gastbeitrag von Gabor Steingart

Als nächstes sind die Banken dran: 5 Gründe, warum der Crash noch lange dauern wird

 

Media Pioneer

Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Hoffnungen auf ein sogenanntes V-Szenario der Volkswirtschaft unrealistisch sind.

Das V-Szenario beschreibt eine wirtschaftliche Entwicklung, die schnell abstürzt und sich genauso schnell wieder erholt. Es sind folgende fünf Indikatoren, die dagegen sprechen.

Erstens: Die Konsumenten überall im Westen sind verunsichert. In Amerika, wo derzeit rund 36 Millionen Amerikaner   arbeitslos gemeldet sind, aber auch in den europäischen Märkten registrieren die Hersteller eine Kaufzurückhaltung, die bis zur Kaufverweigerung reicht. Der vom deutschen Handelsverband herausgegebene Verbraucherindex, für den das „Handelsblatt Research Institute“ monatlich 2000 Menschen nach ihrer Stimmung befragt, erreichte im Mai mit 90,53 Punkten einen neuen Tiefpunkt.

Zur Person

Gabor Steingart zählt zu den bekanntesten Journalisten des Landes. Er gibt den Newsletter „Steingarts Morning Briefing“ heraus. Der gleichnamige Podcast ist Deutschlands führender Daily Podcast für Politik und Wirtschaft. Im Frühjahr 2020 zieht Steingart mit seiner Redaktion auf das Redaktionsschiff „Pioneer One“. Vor der Gründung von Media Pioneer war Steingart unter anderem Vorsitzender der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group.

 Sein kostenloses Morning Briefing finden Sie hier: www.gaborsteingart.com

Zweitens: Die Frage nach den Kosten der Pandemiebekämpfung und die hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese in nicht allzu ferner Zukunft auf die Steuerzahler überwälzt wird, lähmt den Konsum. Kurt Tucholsky wusste warum: „Das Volk versteht das meiste falsch; aber es fühlt das meiste richtig.“

Corona-Crash bedroht jetzt auch Finanzsektor

Drittens: Selbst billionenschwere Liquiditätshilfen können lädierte Geschäftsmodelle nicht heilen. Auf absehbare Zeit gibt es für Eventveranstalter, Messebauer, Reisebüros, Tourismuskonzerne, Fluggesellschaften und Flugzeugbauer keine Rückkehr zur Normalität. Die Finanzhilfen für die Tui (1,8 Milliarden Euro), die Lufthansa (rund neun Milliarden Euro) oder der Rettungsschirm für Adidas (2,4 Milliarden Euro) lindern die Not, aber beseitigen sie nicht.

Viertens: Die fehlende Profitabilität dieser Branchen und die geschrumpfte Liquidität von Gastronomen, Einzelhändlern und vielen Solo-Unternehmern dürfte den Finanzsektor hart treffen. Die Kreditausfälle werden steigen. Die Finanzmarktaufsicht Bafin wird am Dienstag unter anderem verkünden, dass die bisher ausgesetzten Berichtspflichten und die zuweilen unbesicherte Kreditvergabe nur temporär waren. Die Angst vor einer Infektion, die von der Realwirtschaft auf den Finanzsektor überspringt, ist größer als groß.

Die Krise nach der Krise hat begonnen

Fünftens: Auch den Versicherern geht es nicht gut. Der größte Rückversicherer der Welt, die Munich Re, hat gerade die Gewinnprognose 2020 kassiert und traut sich aufgrund der unsicheren Lage keine neue Einschätzung zu.

Munich Re
185,80EUR

+6,45(+3,60%)

Xetra
  • 1 Tag
  • 6 Monate

Fazit: Die Krise nach der Krise hat begonnen. Die Pandemie ist von der Fledermaus auf den Menschen und von dort auf die Volkswirtschaften übergesprungen. Das Corona-Paradoxon: Jene Maßnahmen, die zur Unterbrechung der menschlichen Infektionsketten führen sollten, haben zugleich das ökonomische Infektionsgeschehen enorm beschleunigt.

Steingart: „Verlagert sich die Krise auf den Finanzsektor, wird es gefährlich“

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