Bankenbetrug grenzt an organisierte Kriminalität

Mr. Dax im Interview

Börsen-Profi Dirk Müller: Betrug mit Phantom-Aktien “grenzt an organisierte Kriminalität”

Als Börsenhändler wurde Dirk Müller bekannt

Betrügereien mit Phantom-Aktien – die kriminelle Energie von Marktteilnehmern ist viel größer, als es der ehrliche Bürger glauben mag. Im Gespräch mit FOCUS Online findet „Mr. Dax“ Dirk Müller gewohnt klare Worte über diese Machenschaften.

Zum Hintergrund: Banken, Aktienhändler und Portfoliomanager sollen betrügerische Geschäfte, ähnlich wie bei Cum-Ex und Cum-Cum, durchgeführt haben. Konkret geht es um Geschäfte mit „American Depositary Receipts“ (ADR). Das sind Papiere, die von Banken ausgestellt und in den USA stellvertretend für ausländische Aktien gehandelt werden. Großbanken und Aktienhändler wird demnach vorgeworfen, Millionen von ADR-Papieren herausgegeben zu haben, die nicht mit echten Aktien hinterlegt waren. Mit diesen Schein-Papieren, so der Verdacht, sollen sich die Akteure außerhalb der USA Steuererstattungen erschlichen haben. Auch in Deutschland.

FOCUS Online sprach mit Mr. Dax Dirk Müller über dieses Vorgehen, das die Steuerzahler ein weiteres Mal um Millionen prellt.

FOCUS Online: Herr Müller, wie kann so etwas überhaupt passieren?

Dirk Müller: Eigentlich darf so etwas gar nicht vorkommen. ADRs sind Hinterlegungsscheine und deshalb sollte auch – wie der Name es schon sagt – immer eine Aktie hinterlegt sein, in welchem Verhältnis auch immer. Zumindest, wenn es mit regulären Dingen zugeht.

FOCUS Online: Mit regulären Dingen ging hier aber wenig zu.

Müller: Da fällt einem als Normalbürger einfach nichts mehr zu ein. Mit krimineller Energie muss man immer rechnen, aber das ist ja auch die Aufgabe, den Betrügern auf die Finger zu schauen und so was zu verhindern. Wenn man mal überlegt, wo sonst überall kontrolliert und was alles überprüft wird, dann ist das nicht nachvollziehbar – obwohl hier Milliardenbeträge ausgeschüttet werden. Kontrollen nimmt doch jeder Geschäftsmann vor, damit er nicht über den Tisch gezogen wird.

Vita Dirk Müller

Geboren am 25. Oktober 1968 in Frankfurt am Main

1990 Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank

Seit 1998 amtlich vereidigter Börsenmakler für ICF

Autor mehrerer Finanzbücher („C(r)ashkurs“, „Cashkurs“)

Geschäftsführer der Finanzethos GmbH und Betreiber der Internet-Seite www.cashkurs.com

Initiator und Berater des Dirk- Müller-Premium-Aktienfonds

FOCUS Online: Ist das Problem neu?

Müller: Nein, das Thema ist nicht neu. ADRs gibt es seit Jahrzehnten und seit mindestens 15 Jahren gibt es Diskussionen, ob diese auch immer hinterlegt sind. Da hätten Finanzministerium und Justizbehörde schon längst einmal nachprüfen und einschreiten müssen.

FOCUS Online: In diesem Punkt sind die staatlichen Organe aber anscheinend recht träge.

Müller: Dabei ist es doch bekannt: Je mehr Geld im Spiel ist, desto mehr wird betrogen und werden Gesetze gebrochen. Je einfacher man es Betrügern macht, indem man den Kontrolldruck nicht hoch genug hält, umso häufiger wird es auch getan. Meiner Meinung nach fehlt bei den Behörden auch Expertise. Man hätte viel früher prüfen müssen, um dem Wahnsinn Einhalt gebieten zu können. Stattdessen konzentriert man sich lieber auf die kleinen Fische und fängt die aus dem Netz, anstatt sich mit den Großen anzulegen. Bis es dann zu spät ist.

FOCUS Online: Cum-Ex, Cum Fake – nehmen diese Fälle zu oder werden sie nur häufiger entdeckt?

Müller: Ich hoffe, dass sie vermehrt ans Licht kommen. Es schadet schließlich der Gesellschaft. Die Finanzwelt sollte eigentlich der Dienstleister für die reale Wirtschaft sein und nicht der Herrscher darüber und erst recht nicht derjenige, der sich schamlos bedient. Aber schauen Sie sich die Skandale der Banken an in den letzten 10, 20 Jahren. Es gibt kein Marktsegment, das nicht von Sauereien betroffen war: Manipulationen im Devisen-, im Edelmetallmarkt, bei den Zinsen, bei der Berechnung des Euribor. Das grenzt ja schon an mafiöse Strukturen, an organisierte Kriminalität.

FOCUS Online: Aber die Anklage wirkt bisher immer noch relativ weich.

Müller: Das stimmt. Die haben halt einmal gegen Gesetze verstoßen, heißt es gerne. Aber wenn mehrere Teilnehmer über Ländergrenzen hinweg sich zu kriminellen Handlungen verabreden und gemeinsam solche Sachen machen, dann handelt es sich um organisierte Kriminalität.

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