Chinas neuer Schuldenrekord: 423 Milliarden Euro in einem Monat

Schlechte Aussichten

423 Milliarden Euro in einem Monat: Chinas Schuldenrekord ist ein Warnsignal

Trotz Chinas Versprechen, die eigene Wirtschaft öffnen zu wollen, sehen sich europäische Firmen weiter massiv benachteiligt.

Nie haben die Chinesen so viele neue Schulden gemacht wie im Januar: 423 Milliarden Euro neue Miese sind sogar doppelt so viel wie während der Finanzkrise. Die Geldflut der Banken ist notwendig, um Chinas Wirtschaft über Wasser zu halten – auch andere Negativ-Rekorde steigen.

Es ist ein trauriger Rekord, den die „People’s Bank of China“ (PBOC), die Zentralbank des Landes, verkündete: 3,23 Billionen Yuan, umgerechnet rund 423 Milliarden Euro, neue Schulden haben die Bürger und Firmen des Riesenreiches im Januar aufgenommen. Das ist dreimal so viel wie noch im Monat zuvor und doppelt so viel wie während der Finanzkrise im Januar 2009, als China wie alle Länder versuchte, seine Wirtschaft mit billigem Geld zu fluten.

Um zu verdeutlichen, welche riesige Schuldenlast da im Januar auf China hinzugekommen ist, hilft ein Vergleich mit deutschen Werten: Der Bundeshaushalt liegt dieses Jahr (!) bei 356,4 Milliarden Euro. 423 Milliarden Euro wären genug, um die fünf größten Dax-Unternehmen – SAP, Linde, Allianz, Siemens und Volkswagen – aufzukaufen.

Chinas Schulden sind immens – aber nicht nur dort

Zudem kommt diese Summe oben auf den ohnehin schon immensen chinesischen Schuldenberg drauf. Chinas gesamte Schuldenlast von Staat, Firmen und Privatpersonen liegt damit jetzt bei fast 300 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Das allein ist noch kein Alarmzeichen: In den USA liegt derselbe Wert etwa deutlich über 300 Prozent, in Deutschland bei etwa 250 Prozent. Besorgniserregender ist die Tendenz, denn in China ist der Schuldenstand damit in den vergangenen neun Jahren um mehr als das Doppelte gestiegen – während er sowohl in den USA als auch Deutschland seit der Finanzkrise rückgängig ist.

Warum China so viele Schulden machen muss

Nun machen die Chinesen nicht so viele Schulden, weil sie da gerade Lust zu haben, sondern weil sie es müssen. Jahrelang finanzierten Staat, Firmen und Privatpersonen den Wirtschaftsaufschwung mit Krediten. Sie gingen zurecht davon aus, dass bei einem Wachstum der Wirtschaft von mehr als sieben Prozent im Jahr die Gewinne der Konzerne und die Löhne der Arbeiter kontinuierlich steigen würden. Im Vorgriff auf späteren Reichtum investierten also viele Chinesen.

Das rächt sich jetzt, wo eine eingetrübte Weltwirtschaft und der Handelskrieg mit den USA auf das Wirtschaftswachstum drücken. Plötzlich wachsen Löhne und Gewinne nicht mehr so stark, die vorher aufgenommenen Kredite lassen sich nur schwer zurückzahlen. Der Schuldenrekord im Januar ist somit auch der Versuch, viele kleine Firmen mit neuem Geld zu versorgen und über Wasser zu halten, bis sich die Lage wieder bessert.

Für die Börse ist das ein schlechtes Zeichen

Auf die Börse hat das zweierlei Auswirkung: Die erste ist sehr direkt. Weil sowohl chinesische Firmen als auch Konsumenten den Gürtel enger schnallen müssen, sinken die Umsätze im Riesenreich. Das hatte zum Beispiel Apple im Weihnachtsquartal zu spüren bekommen, auch Volkswagen stöhnte über sinkende Absatzzahlen im Fernen Osten – erstmals seit 20 Jahren.

Das ist einer der Gründe dafür, dass der Dax im vergangenen Jahr um 18 Prozent sank und ebenfalls einer dafür, dass er in diesem Jahr bisher nicht zur großen Erholung ausgeholt hat, sondern nur moderat von 10.500 auf 11.300 Punkte gestiegen ist und dort nunmehr seit rund einem Monat verharrt.

Chinas Schwäche zieht auch andere Länder nach unten

Die zweite Auswirkung ist langfristig: Findet die exportstarke deutsche Industrie keine neuen Absatzmärkte, sinken die Wachstumsaussichten auch für uns. Immerhin war China 2017 unser drittwichtigster Handelspartner nach den USA und Frankreich. Umgerechnet 84 Milliarden Euro brachte uns das ein.

Übrigens hat Chinas Wirtschaftsschwäche auch globale Auswirkungen. Gerade viele Schwellenländer profitierten bisher vom Ressourcenhunger und den Entwicklungshilfen aus Peking. Weil beides jetzt aber zurückgefahren werden muss, kommen auch viele Länder in Asien und Afrika in die Bredouille. Darin liegt einer der Gründe begraben, der den Internationalen Währungsfonds (IWF) zuletzt dazu anhielt, seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft von 3,7 auf 3,5 Prozent in diesem Jahr zu senken.

Quelle: https://www.focus.de/finanzen/boerse/schlechte-aussichten-423-milliarden-euro-in-einem-monat-chinas-schuldenrekord-bremst-den-dax_id_10347381.html geladen am 21.02.2019

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