Deutsche Bank verheimlichte jahrelang Milliardenverlust

Mit Anleihen verzockt

Deutsche Bank verheimlichte jahrelang Deal mit 1,4 Milliarden Euro Verlust

Aktionäre sitzen vor dem Unternehmenslogo.

2007 hatten Mitarbeiter der Deutschen Bank eine Idee: Sie kauften in großem Stile Anleihen von US-Städten auf. Dann kam die Finanzkrise und machte aus dem Deal ein Verlustgeschäft. Erst jetzt, 12 Jahre später, erfährt die Öffentlichkeit davon.

Es gehört zur Natur von Investmentbankern, dass sie auch einmal gehörig daneben greifen. Die Deutsche Bank hat das, wie ein Blick auf den Aktienkurs zeigt, in den vergangenen Jahren des Öfteren getan. Allerdings sind auch schlechte Bankendeals öffentlich. Sparer und Anleger können sich also genau überlegen, welcher Bank sie ihr Geld geben wollen – in der Regel.

Denn 2007 machten Banker des größten deutschen Institutes einen folgenschweren Fehlgriff. Sie kauften 500 Anleihen von US-Kommunen in einem Paket auf. Darin waren etwa Projekte für Schulen in Kalifornien oder Straßen auf Puerto Rico – moralisch also eigentlich sogar ein gutes Geschäft.

Wirtschaftsprüfer warnen vergeblich vor Geschäft

Umgerechnet 6,9 Milliarden Euro ließen sich die Banker das kosten. Wenn man bedenkt, dass der Gesamtumsatz der Deutschen Bank in dem Jahr bei rund 30 Milliarden Euro lag, wird deutlich, welche Ausmaße diese Anleihenkäufe hatten.

Und er war schon damals intern in Frankfurt umstritten. Ein Untersuchungsbericht, der erst im vergangenen Jahr fertig wurde und aus dem das “Wall Street Journal” jetzt zitiert, besagt, dass Wirtschaftsprüfer der Firma KPMG schon früh anmahnten, die Bank habe nicht genug Rücklagen, falls die Anleihen hohe Verluste einfahren sollten. Doch das Management wischte diese Sorgen beiseite.

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Warren Buffett sicherte die Deutsche Bank ab

Sie hätten besser auf die Prüfer gehört, denn ein Jahr später brach die Finanzkrise los, der Umsatz der Bank auf 12 Milliarden Euro zurück und die Kommunalanleihen verloren stark an Wert. Um sich vor dem Schlimmsten zu schützen, kaufte die Deutsche Bank eine Ausfallversicherung bei Warren Buffetts Firma Berkshire Hathaway. Für 124 Millionen Euro Vorabzahlung verpflichtete sich der Star-Investor, die Bank zu entschädigen, sollten die US-Städte ihre Anleihen nicht mehr bezahlen können.

Wie schlimm es um die Anleihen stand, ist auch heute noch unbekannt. Sie fielen jedenfalls nicht aus, dürften aber ein gewaltiges Loch in die Bilanz der Deutschen Bank gerissen haben. Allein: Das verschwieg das Institut jahrelang. Stattdessen sammelte es in mehreren Runden über Kapitalerhöhungen frisches Geld ein, um die Bilanz zu stärken.

Auf 839 Seiten etwa beschrieb die Bank in den Unterlagen für eine Kapitalerhöhung in 2014 die Risiken und Nebenwirkungen ihres Geschäftes und eines Investments in selbiges – verschwieg aber, dass im Hintergrund Verluste in Höhe ihres gesamten vorherigen Jahresgewinns lauerten.

Verluste verschwinden 2016 in einer “Bad Bank“

2012 schoben die Banker die Anleihen in eine interne “Bad Bank“. Hier sammelte die Deutsche Bank alle Anleihen und Wertpapiere, die nur Verluste einfuhren. Bis 2016 wurden die Positionen aus dieser Bad Bank abgebaut und an andere Geldhäuser verkauft. So verschwanden auch die US-Kommunalanleihen aus der Bilanz.

Untersuchungsbericht sieht keine juristische Schuld

Übrig blieb ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro. Es ist, so schreibt das “Wall Street Journal”, einer der größten Einzelverluste, den je eine Bank auf der Welt machte. Zwei Jahre lang stritten die Deutschbanker demnach darum, wie sie damit umgehen sollten. Der richtige Weg wäre gewesen, die Quartalsergebnisse aus den Vorjahren nachträglich nach unten zu korrigieren und den Verlust öffentlich zu machen.

Dies geschah jedoch nicht. Stattdessen wurde eine interne Untersuchung zu dem Fall angeordnet. Die endete im April 2018 und kam zu dem Ergebnis, dass der Bank rechtlich kein Vorwurf zu machen sei. Banken haben einen gewissen Spielraum dabei, wie sie ihre eigenen Positionen und Risiken bewerten und nach außen darstellen. Die Prüfer kamen zu dem Schluss, die Deutsche Bank habe sich in diesem Rahmen bewegt. Der Vorstand hat den Verlust bis heute nicht offengelegt. Ein Sprecher erklärte gegenüber der “Süddeutschen Zeitung”: “Externe Anwälte und Wirtschaftsprüfer haben die Transaktion bewertet und bestätigt, dass sie mit Prüfungsstandards und üblichen Verfahren übereinstimmt.”

So steht es um die Aktie der Deutschen Bank

Auf den aktuellen Aktienkurs hat die Affäre kaum Einfluss. Gestern sank der Wert der Deutsche-Bank-Papiere nur um 0,38 Prozent. Die Bank hat sowieso andere Sorgen. 2018 schaffte das Institut erstmals seit 2014 wieder einen Jahresgewinn, wenn auch nur knapp. Kaum ein Analyst rechnet damit, dass der Aktienkurs dieses Jahr deutlich steigen wird, keiner rät aktuell zum Kauf der Aktie. In den vergangenen fünf Jahren ist der Wert des Institutes um 75 Prozent gefallen.

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