Deutsche Rentenversicherung in Geldnot

Gesetzliche Altersvorsorge

Geldnot immer größer: So ernst ist die Lage unserer RentenversicherungAuf Deutschland rollen enorme Kosten für Pensionen zu - viele Bundesländer haben dafür nicht vorgesorgt. imago/photothek Die gesetzliche Rentenversicherung muss reformiert werden.

Montag, 30.08.2021, 18:59

Die deutsche Rentenversicherung steht vor großen finanziellen Herausforderungen. Das hat einige Gründe. Und die Situation wird sich in den kommenden Jahren noch zuspitzen. Doch die Parteien verschweigen die Probleme vor der Bundestagswahl.

Im Jahr 2020 beliefen sich die Beitragseinnahmen der gesetzlichen Rente auf 252,2 Milliarden Euro, wie die Deutsche Rentenversicherung (DRV) ausweist.

An Ausgaben hatte die DRV dagegen 338,3 Milliarden Euro zu schultern. Die Lücke zwischen Beitragseinnahmen und Ausgaben belief sich demnach auf rund 86 Milliarden Euro. Das Milliardenloch wurde mithilfe des sogenannten Bundeszuschusses gestopft. Den trägt der Steuerzahler.blob:https://www.focus.de/dbd72f71-2a9e-4a79-84b1-d71bd422e405

Demographischer Wandel belastet System immer stärker

Der demographische Wandel setzt das System der gesetzlichen Rente in den kommenden Jahren noch stärker unter Druck. Es gibt immer mehr Rentenempfänger – und sie können ihren Ruhestand immer länger genießen. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Beitragszahler in den kommenden Jahren ab: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen ab 2025 in Rente und zahlen dann natürlich keine Beiträge mehr.Anzeige

All das führt zu stark steigenden Ausgaben der Rentenversicherung – mit Folgen für Versicherte und Ruheständler.

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Beitragssätze steigen voraussichtlich

Aktuell beträgt der Beitragssatz zur Rentenversicherung 18,6 Prozent des Einkommens. Den Satz teilen sich Beschäftigte und Arbeitgeber.

Der geschilderte demographische Wandel macht einen Anstieg der Sätze erforderlich. Die DRV hat dazu Beispielberechnungen angefertigt.

Gleichzeitig nimmt die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage ab. Darunter verstehen Experten die finanziellen Reserven der gesetzlichen Rentenversicherung. Hier erwartet die DRV in den kommenden Jahren einen massiven Einbruch: Die aktuell noch hohen Milliardenrücklagen schmelzen dahin (s. dritte Zeile der folgenden Tabelle). https://widget.focus.de/iframe/612b586b5d34c

Trifft die Prognose der DRV ein, dann leert sich in den kommenden Jahren die Rentenkasse, obwohl Versicherte und Unternehmen höhere Beiträge zahlen. Angesichts dieser Entwicklung besteht dringender Handlungsbedarf.

Um die immer größer werden Finanzlöcher zu stopfen, halten Experten einen Anstieg des Renteneintrittsalters für unvermeidlich. CDU-Chef Markus Söder und Grünen-Co-Chef Robert Habeck lehnten das jüngst aber ab.

Das überrascht kaum: Vor der Bundestagswahl am 26. September traut sich kein Politiker, den Wählern reinen Wein einzuschenken. „Renten-Papst” Bert Rürup wies kürzlich im Gespräch mit FOCUS Online darauf hin, dass bei der Bundestagswahl das Durchschnittsalter „der Wahlberechtigten bereits bei etwa 54 Jahren” liegt. Auf die Stimmen der künftigen Ruheständler sind die Parteien angewiesen. Die Rentner in spe würden „Drohungen” mit einem Anstieg des Rentenalters kaum honorieren.

CSU-Chef Söder fordert sogar eine Ausweitung der Mütterrente auf alle Kinder. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet will das allerdings nicht mittragen. Käme es zu der Ausweitung, würden die Löcher der Rentenkasse noch größer.

Wie auch immer die Kassen der Rentenversicherung in den kommenden Jahren gefüllt werden können, bleibt abzuwarten. Aber kein Politiker warnt die aktuellen und die künftigen Rentner vor den Herausforderungen für die gesetzliche Altersvorsorge. „Stattdessen wird das Blaue vom Himmel versprochen“, kritisiert Rentenexperte Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg.

Quelle: https://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/rente/gesetzliche-altersvorsorge-geldnot-wird-immer-groesser-so-ernst-ist-die-lage-unserer-rentenversicherung_id_20898727.html geladen am 30.08.2021

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